Nächtliches Abstillen – meine persönliche Erfahrung

17 Feb. 2021 | Abstillen, Einschlafbegleitung, Einschlafen, Schlafberatung, Schlafgewohnheit, Schlafverhalten, Stillen

Ich stille meine Tochter nun seit 1 ½ Jahren. In dieser Zeit bekam ich immer wieder Äußerungen aus meinem Umfeld wie: „Dein Kind wird sich daran gewöhnen, dass es nur an der Brust einschlafen kann!“ „Sie muss doch auch mal lernen, alleine einzuschlafen!“ „So kann der Papa sie ja nie ins Bett bringen!“ Und noch einiges mehr. Und sind wir mal ehrlich – jede stillende Mama kennt solche Sprüche. Ich empfand das Stillen zum Einschlafen jedoch immer sehr praktisch und war froh, dass es so einfach ging.

Mit der Zeit stellte ich fest, dass sich tatsächlich eine Schlafgewohnheit entwickelt und meine Tochter das Schlafen mit dem Stillen verknüpft hat. Dies forderte sie also auch nach jedem Aufwachen ein.  Für mich war das in Ordnung. Ihr gab es Sicherheit und Orientierung und für mich bedeutete es extra Kuschelzeit zum Einschlafen und auch nachts wurde ich dadurch kaum wach. Auf die Frage, wie lange ich denn „noch“ stillen möchte, lautete meine Antwort immer: „So lange sie es braucht und für mich in Ordnung ist.“

Und irgendwann gab es Nächte, in denen das nächtliche Stillen plötzlich wieder sehr anstrengend für mich wurde. Das lag nicht am Stillen an sich, sondern daran, dass wir beide nicht zu Ruhe kamen und dann am nächsten Tag völlig müde waren. Immer wieder sagte ich spaßeshalber zu meinem Mann, dass ich nachts jetzt abstillen werde. Aber dann überwiegten doch immer wieder die Vorteile.

Wird das Abstillen nicht vom Kind initiiert, dann erlebt es einen Verlust. Das es darauf mit Weinen oder sogar Wut reagiert, ist also durchaus verständlich. In der Ausbildung zur Schlafberaterin war das Stillen ein großer Themenbereich. Die Theorie des nächtlichen Abstillens bzw. der Veränderung einer Schlafgewohnheit war mir also bekannt.

Auch habe ich bereits viele Mamas bei einer Veränderung der Einschlafgewohnheit erfolgreich begleiten dürfen. Ganz egal ob es hierbei um das Einschlafstillen ging, um das Tragen oder Hüpfen auf dem Ball usw. Ich weiß, dass ein solcher Schritt für Mama und Kind nicht einfach ist und Kinder durchaus auch weinen oder gar wütend reagieren. Umso wichtiger ist deshalb die eigene Haltung. Nur wenn die Mama wirklich sicher ist und zu 100 % hinter ihrer Entscheidung steht, dann kann sie diese Sicherheit auch gegenüber ihrem Kind ausstrahlen. Und dies ist enorm wichtig, um es bestmöglich unterstützen zu können. Ebenfalls sollte eine Strategie überlegt werden, wie mit den möglichen Reaktionen des Kindes umgegangen wird. Und ich war mir einfach nie 100 % sicher, diesen Schritt auch tatsächlich gehen zu wollen und mich dann den Gefühlen meiner Tochter „zu stellen“.

Und plötzlich war sie dann da – die Nacht, die alles veränderte. Nach stundenlangem Dauernuckeln und Schmerzen wurde es mir irgendwann zu viel. Ich sagte zu meiner Tochter, dass es jetzt keine Milch mehr geben würde und wir einen anderen Weg zum Einschlafen finden werden. Es folgte heftiges Weinen und dies auszuhalten, war für mich alles andere als leicht. Ich versuchte sie zunächst im Bett zu beruhigen. Anschließend fing ich an sie durch das Schlafzimmer zu tragen und letztendlich stillte ich sie zur Beruhigung im Wohnzimmer, da ich das Stillen räumlich vom Schlafen trennen wollte. Kurz bevor sie einschlief, ging ich mit ihr erneut ins Schlafzimmer. Dort begann das Weinen erneut und ich fing an eine Geschichte zu erzählen. Eine Abenteuergeschichte, in der sämtliche Kuscheltiere meiner Tochter vorkamen. Durch das ständige Überlegen der Handlung, konnte ich ruhig bleiben und den Fokus beibehalten. Dadurch konnte ich trotz allem entspannen und irgendwann schlief auch meine Tochter ein.

Mir war bewusst, dass ich diesen Schritt nun auch zu Ende gehen musste, um sie nicht zu verunsichern. Somit beschloss ich also nachts und zum Einschlafen nicht mehr zu Stillen. Vor dem Mittagsschlaf erzählte ich ihr, dass wir jetzt nochmal stillen, weil es im Bett keine Milch mehr geben wird. Das Einschlafen funktionierte ohne eine einzige Träne und mit der Fortsetzung unserer Geschichte. Ich war völlig überrascht, da ich nach der langen Stillzeit mit mehr Widerstand gerechnet hatte. Am Abend erklärte ich ihr das Vorgehen erneut. Ich entschied mich dafür, mit ihr ins Bett zu gehen und nahm Wasser und eine Banane mit, falls sie nachts Hunger oder Durst bekommen würde. Das Einschlafen hat mit der Geschichte ebenfalls wieder toll funktioniert. Das erste Aufwachen nach ca. einer Stunde fiel ihr jedoch sehr schwer. Ich versuchte sie mit der Geschichte zu beruhigen, doch es klappte einfach nicht. Nach ca. 25 Minuten bot ich ihr die Banane an. Und ich glaube sie war völlig überrascht, da sie sofort verstummte. Sie aß tatsächlich die halbe Banane und schlief danach ein.

Seither klappt das Ein- und Weiterschlafen ohne Stillen. Die ersten Nächte bin ich gemeinsam mit ihr ins Bett gegangen. Mir war es wichtig sofort bereit zu sein und auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können. Es gab mir auch zusätzliche Sicherheit in meinem Handeln.

Ich bin nach wie vor immer noch total überrascht wie gut sie das angenommen hat und unglaublich stolz auf uns beide. Es ist nämlich nicht nur für unsere Kinder eine große Veränderung und ein großer Schritt. Auch heute erzähle ich ihr vor dem ins Bett bringen, dass es jetzt nochmal eine Milch gibt und wir dann ins Bett gehen, in dem nicht mehr gestillt wird. Das Stillen vor dem Schlafen gehen hat sich zu einem neuen und schönen Ritual etabliert und ich genieße diese extra Kuschelzeit sehr.

Nächtliches Abstillen – eine Lösung für alles?

Ich möchte dir noch auf den Weg mitgeben, dass Abstillen nicht automatisch zu besseren Nächten oder gar zum Durchschlafen verhilft. Wach werden Kinder nämlich nach wie vor, sie können jedoch auf eine andere Art und Weise wieder in den Schlaf finden. Meine Tochter schafft die Übergänge jetzt tatsächlich besser als zuvor bzw. ihr reicht der nächtliche Körperkontakt. Wird sie nachts weinend wach, dann dauert es allerdings länger, um sie wieder zu beruhigen. Dies führt natürlich auch zu längeren Wachphasen für mich. Für mich persönlich war die Trennung von Stillen und Schlafen dennoch die richtige Entscheidung zum richtige Zeitpunkt.

Vielleicht hilft dir meine persönliche Erfahrung auch bei deiner Situation weiter. Bist du dir noch unsicher und wünscht dir Begleitung bei der Veränderung eurer Schlafgewohnheit? Gerne unterstütze ich dich dabei! Schreibe mir eine Nachricht und wir können gemeinsam nach möglichen Lösungen für dich und deine Familie suchen.

Deine Natalie

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